Posten, verlinken, liken und teilen in sozialen Netzwerken – alles illegal !?

Legal ? Illegal ? Nicht egal...

Werbung
Urheberrechte, Persönlichkeitsrechte & Co. - Nutzer sozialer Medien müssen so einiges beachten.
Urheberrechte, Persönlichkeitsrechte & Co. - Nutzer sozialer Medien müssen so einiges beachten.
☆ Dieser Artikel ist Teil unseres Special zu Recht und Social Media…

Die meisten von uns sind mehr oder weniger stark in sozialen Medien aktiv. Da gehört es einfach dazu, die neuesten Songs seines Lieblingsmusikers mit allen zu teilen, kuriose Sprüche-Bilder zu kopieren und fleißig Smileys, „Daumen hoch“- und andere Emojis auf den Profilen von Freunden zu posten.

Die wenigsten wissen jedoch, daß solche alltäglichen Aktionen schnell Urheber- und Persönlichkeitsrechte Dritter verletzen können – verbunden mit teils erheblichen rechtlichen Konsequenzen wie Abmahnungen, Aufforderungen zur Abgabe von Unterlassungserklärungen und im schlimmsten Fall stehen sogar Schadenersatzforderungen im Raum.

Immaterielle Rechtsgüter im Netz

Das Urheberrecht

Musik, Bilder, Videos, Texte – jede „künstlerische Schöpfung“ unterliegt dem Urheberrecht.

Dieses Recht garantiert dem Erschaffer eine Vergütung für die Nutzung seiner Werke und regelt auch, ob und, falls ja, in welchem Umfang Rechte daran von Dritten genutzt werden dürfen.

Besonders der letzte Punkt ist für Nutzer sozialer Medien entscheidend – wer nämlich ohne explizite Zustimmung des Rechteinhabers ein Werk veröffentlicht, und seien es nur einige Sekunden Musik, steht schnell mit einem Bein im Gefängnis.

Rechteinhaber muss dabei nicht unbedingt der Künstler oder Autor selbst sein, da dieser viele Rechte (bis auf die Urheberschaft als solche) auch an andere abtreten kann (z.B. an Verlage oder Unternehmen).

Das Persönlichkeitsrecht

Das „Recht am eigenen Bild“ ist wohl einer der wichtigsten Teilbereiche des Persönlichkeitsrechts.

Dabei geht es um die Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen, inwieweit Bilder einer Person angefertigt und verbreitet werden dürfen.

Das Gesetz kennt jedoch auch einige Ausnahmen, bei welchen keine Einwilligung der dargestellten Personen erforderlich ist:

  • Bilder, die dem Bereich der Zeitgeschichte zuzuordnen sind oder die einem höheren Interesse der Kunst dienen (selten anwendbar !).
  • Bilder, welche Personen nur als schmückendes Beiwerk neben einer Landschaft oder anderen Örtlichkeiten zeigen (z.B. typische Schnappschüsse von Sehenswürdigkeiten im Urlaub).
  • Bilder von Versammlungen und öffentlich zugänglichen Veranstaltungen.

Posten in sozialen Netzwerken

Soziale Medien leben von der Veröffentlichung nutzergenerierter Inhalte. Und solange es sich dabei um Ihre eigenen Bilder, Videos und Texte handelt, ist alles in bester Ordnung.

Beim Posten von Inhalten Dritter sollten Sie allerdings Vorsicht walten lassen – das Cover des neu gekauften Buchs unterliegt ebenso dem Urheberrecht wie ein aus dem Netz geladener Filmtrailer oder der als Ganzes kopierte Text (bzw. Scan) eines Zeitungsartikels.

Zwar dürfen Sie urheberrechtlich geschützte Werke im privaten Rahmen nutzen, aber diese „Ausrede“ verliert bei sozialen Medien schnell an Gültigkeit:

Wer nämlich mehrere hundert virtuelle Freunde sein Eigen nennt, agiert definitiv nicht mehr privat. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob Einstellungen wie „Nur für Freunde sichtbar“ gesetzt wurden.

Das ist vergleichbar mit einer Filmvorführung. Ein Kinoabend im kleinen Kreis mit guten Freunden – das ist kein Problem und im Rahmen der privaten Nutzung vollauf gedeckt. Laden Sie aber alle Nachbarn und weitläufige Bekannte ein, ist die Grenze zur öffentlichen Vorführung schnell überschritten.

➤ Empfehlung zum Posten in sozialen Medien

Posten Sie nur Bilder, Videos und Texte, die Sie selbst erstellt haben und die außer Ihnen keine Personen (vor allem in Nahaufnahme) zeigen.

Verlinken (und einbetten) von Inhalten

Links setzen Verweise zu Websites im Internet oder zu anderen Profilen bzw. Beiträgen innerhalb eines sozialen Netzwerks.

Aus rechtlicher Sicht ist das Verlinken frei zugänglicher Inhalte normalerweise bedenkenlos möglich.

Achtung, Vorschaufunktion !

In vielen Fällen erzeugen soziale Netzwerke eine Voransicht, inklusive Bild und Textausschnitt. Theoretisch machen Sie sich so Inhalte Dritter zu Eigen, was als Rechtsmissbrauch ausgelegt werden könnte.

Andererseits lassen sich zumindest Textauszüge in den Bereich der Zitate einordnen – Zitieren ist eine nach §51 UrhG (Urheberrechtsgesetz) erlaubte Nutzung, die allerdings im Umfang Einschränkungen unterliegt.

Ob ein durch das Einbetten automatisiert generiertes Bild (oder gar Video) vom Zitatrecht gedeckt wäre, darf jedoch bezweifelt werden.

➤ Empfehlung zum Verlinken in sozialen Medien

Das bloße Verlinken von Inhalten (ohne diese Inhalte selbst in das eigene Profil zu übertragen), sollte nach aktuellem Rechtsstand keine Probleme aufwerfen.

Allerdings besteht bei automatisiert erzeugten Zusammenfassungen („einbetten“) eine gewisse Rechtsunsicherheit. Jedenfalls, soweit der verlinkte Beitrag nicht Teil derselben sozialen Plattform ist.

Liken von Inhalten

Der Ausruf „Gefällt mir !“ ist längst auch außerhalb sozialer Netzwerke zu einem geflügelten Wort avanciert.

Mit einem Smiley den Beitrag oder Kommentar eines anderen Nutzers zu adeln (bzw. zu kritisieren) ist aus rechtlicher Sicht bedenkenlos möglich. Auch eigene Kommentare besitzen erst einmal keine rechtliche Relevanz (sofern sie nicht beleidigend oder anderweitig strafbar wären).

Diskutiert wird allenfalls die Problematik, daß manche sozialen Netzwerke Kopien der „gelikten“ Beiträge auch im eigenen Profil anzeigen. Dies wäre streng genommen eine öffentliche Zugänglichmachung von Inhalten Dritter – und damit ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

➤ Empfehlung zum Liken in sozialen Medien

Solange dadurch keine fremden Inhalte auf Ihrem Profil landen, gilt: Liken Sie, was gefällt ! 🙂

Teilen von Inhalten

Beim Teilen („Sharen“) wird es hingegen schon schwieriger. Bietet ein Rechteinhaber seine Inhalte selbst in einem sozialen Medium an, muss er davon ausgehen, daß dort bereitgestellte Funktionen – einschließlich die des Teilens – von anderen Nutzern aktiv verwendet werden.

Insofern verneint man nach gängiger Rechtsmeinung einen Anspruch auf Schadenersatz in solchen Fällen, da der Rechteinhaber durch das eigene Veröffentlichen in diese Art der Nutzung zumindest stillschweigend einwilligte.

Vergleichbares gilt für „Social-Buttons“ auf Websites. Diese fordern ja gerade zum Teilen der Inhalte auf – allerdings beschränkt auf die jeweiligen Plattformen und deren spezifischen Nutzungsbedingungen. Share-Funktionen dürfen deshalb nicht als Freibrief zur arglosen Verwendung geistigen Eigentums fehlinterpretiert werden.

➤ Empfehlung zum Teilen in sozialen Medien

Wirklich rechtssicher sind nur Inhalte, die aus überprüfbaren, offiziellen Quellen stammen.

Immer die Urheberrechtskette beachten…

Beim Teilen und Einbetten von Inhalten stellt sich die Frage, ob der vorgebliche Rechteinhaber tatsächlich autorisiert war, diese Inhalte online zu stellen bzw. vorab eine sorgfältige Prüfung zur Rechtmäßigkeit der Nutzung durchführte.

Sie können sich nicht darauf berufen, in gutem Glauben gehandelt zu haben und ansonsten Ihre Hände in Unschuld (bzw. Unwissenheit) waschen.

Der tatsächliche Rechteinhaber besitzt nämlich die Möglichkeit, gegen jeden Missbrauch einzeln vorzugehen. Sie müssen also immer sicherstellen, daß die geteilten Inhalte rechtmäßigerweise vom ursprünglichen Poster veröffentlicht wurden.

Zusammenfassung – was ist im Netz erlaubt ?

Am sichersten fahren Sie damit, nur eigene Inhalte zu veröffentlichen, an welchen Sie das Urheberrecht besitzen und die keine Persönlichkeitsrechte Dritter tangieren.

Content von originären Quellen, der von diesen selbst auf den entsprechenden Plattformen bereitgestellt wird, können Sie dort für gewöhnlich bedenkenlos im Rahmen Ihrer eigenen Aktivitäten nutzen.

Vorsicht ist geboten bei Inhalten unbekannten Ursprungs (z.B. privaten Accounts) oder mehrfach geteilten Beiträgen, deren ursprüngliche Quelle sich nicht mehr findet.

Offensichtliche Rechtsverstöße (z.B. Angebote zum illegalen Streaming) sollten Sie keinesfalls teilen oder anderweitig selbst publizieren, sondern umgehend an den Betreiber des sozialen Netzwerks melden.

Wir freuen uns darüber, wenn Sie unsere Beiträge in sozialen Medien teilen und mit Link auf den jeweiligen Artikel daraus zitieren ! 🙂


Stand der Informationen: November 2018
Wichtig: Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen und rechtlichen Hinweise für diesen Beitrag !

Werbung